Wissenschaft

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Wissenschaft
Forschung

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Wis|sen|schaft ['v…™snŐ© Éaft], die; -, -en:
Wissen hervorbringende forschende Tätigkeit in einem bestimmten Bereich:
die Wissenschaft fördern; die Akademie der Wissenschaften.
Syn.: ‚ÜĎ Forschung.
Zus.: Altertumswissenschaft, Ernährungswissenschaft, Erziehungswissenschaft, Geschichtswissenschaft, Gesellschaftswissenschaft, Kunstwissenschaft, Literaturwissenschaft, Medienwissenschaft, Musikwissenschaft, Politikwissenschaft, Rechtswissenschaft, Religionswissenschaft, Sprachwissenschaft, Theaterwissenschaft, Wirtschaftswissenschaft, Zeitungswissenschaft.

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WiŐ£s|sen|schaft ‚Ć©f. 20‚Ć™ geordnetes, folgerichtig aufgebautes, zusammenh√§ngendes Gebiet von Erkenntnissen ‚óŹ Kunst und \Wissenschaft; sich einer \Wissenschaft verschreiben, widmen; die medizinische, theologische \Wissenschaft; das ist eine \Wissenschaft f√ľr sich ‚Ć©umg.‚Ć™ das kann man nicht so schnell erlernen, erkl√§ren, dazu geh√∂ren einige Kenntnisse; diese Ansicht ist von der \Wissenschaft widerlegt worden

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WiŐ£s|sen|schaft , die; -, -en [(fr√ľh)nhd. f√ľr lat. scientia (zu scire = wissen); mhd. wi í íen[t]schaft = (Vor)wissen; Genehmigung]:
1. (ein begr√ľndetes, geordnetes, f√ľr gesichert erachtetes) Wissen hervorbringende forschende T√§tigkeit in einem bestimmten Bereich:
reine, angewandte W.;
die ärztliche, mathematische, politische W.;
die W. der Medizin, von den Fischen;
exakte -en;
die W. fördern;
der W. dienen;
die Akademie der -en;
alles atmet den Geist hoher W. (Wissenschaftlichkeit);
sie ist in der W. (im Bereich der Wissenschaft) tätig;
Vertreter von Kunst und W.
2. jmds. Wissen in einer bestimmten Angelegenheit o. √Ą.:
es dauerte, bis er mit seiner W. herauskam.

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Wissenschaft
 
[zu Wissen], der Inbegriff menschlichen Wissens einer Epoche, das systematisch gesammelt, aufbewahrt, gelehrt und tradiert wird; eine Gesamtheit von Erkenntnissen, die sich auf einen Gegenstandsbereich beziehen und in einem Begr√ľndungszusammenhang stehen. Auf einen begrenzten Gegenstand bezogenes Wissen kennzeichnet die Einzelwissenschaften, die ihrerseits in einen theoretischen und einen angewandten Bereich gegliedert sind und mit fortschreitender Differenzierung eine Reihe von Teildisziplinen hervorbringen k√∂nnen (z. B. Psychologie, Medizin, Physik). Wissenschaft meint auch den methodischen Prozess intersubjektiv nachvollziehbaren Forschens und Erkennens aufgrund eines Interesses, die Wirklichkeit der Natur, der Gesellschaft oder des menschlichen Geistes zu erschlie√üen, sowie die Institutionalisierung des Wissensbestandes und aller darauf bezogenen Aktivit√§ten im Rahmen einer Gesellschaft. Da technischer Fortschritt und materieller Wohlstand auf die Entwicklung der Wissenschaft gegr√ľndet sind, haben die Wissenschaften sich zu einer autoritativen Instanz in sehr vielen Lebensbereichen entwickelt. Die Moderne wird daher auch als ¬Ľwissenschaftliches Zeitalter¬ę oder ¬Ľwissenschaftlich-technische Welt¬ę bezeichnet. H√§ufig werden dabei Methoden und Prinzipien der naturwissenschaftlichen Forschung absolut gesetzt (Scientismus).
 
Methodisch kennzeichnet die Wissenschaft ein gesichertes, in einen Begr√ľndungszusammenhang von S√§tzen gestelltes und damit intersubjektiv kommunizierbares und nachpr√ľfbares Wissen, das bestimmten wissenschaftlichen Kriterien (z. B. Allgemeing√ľltigkeit, Systematisierbarkeit) folgt. Die wissenschaftlichen Methoden richten sich nach den jeweiligen Gegenst√§nden, wobei sich v. a. zwei methodisch getrennte Wissenstraditionen herausgebildet haben. Kennzeichnend f√ľr die Naturwissenschaften sind Beobachtung, Hypothesenbildung, Experiment und Theoriebildung. Im Unterschied hierzu bezieht sich die geisteswissenschaftliche Methode (Hermeneutik) auf die niemals g√§nzlich zu ersch√∂pfende und in der Beobachtung einholbare Deutung individueller Ph√§nomene, auf Bedeutungszuweisung und Sinnverstehen im Rahmen historisch-kultureller Zusammenh√§nge.
 
 Einteilung der Wissenschaften
 
Die Einteilung der Wissenschaften folgt unterschiedlichen Gesichtspunkten. Die Wissenschaften sind dem Ziel nach entweder rein theoretische (Grundlagenforschung, Methodenlehre) oder praktisch-angewandte Wissenschaften, der Erkenntnisgrundlage nach (empirische) Erfahrungs- oder (rationale) Vernunftwissenschaften. Auf W. Dilthey geht die Unterscheidung der erkl√§renden Naturwissenschaft und der verstehenden Geisteswissenschaft zur√ľck, W. Windelband unterschied entsprechend nomothetische (Gesetzes-) Wissenschaft und ideographische (das Einzelne beschreibende) Wissenschaft, Letztere gekennzeichnet durch ihre Beziehung auf Werte (unter Einschluss der Einmaligkeit in ihrem Eigenwert in der Geschichtswissenschaft), H. Rickert sp√§ter zwischen Natur- und Kulturwissenschaft. Die von den angloamerikanischen L√§ndern √ľbernommene Unterscheidung zwischen ¬Ľnatural sciences¬ę, ¬Ľsocial sciences¬ę und ¬Ľhumanities¬ę hat im deutschen Sprachraum als naturwissenschaftlich-technische, soziologische (Sozialwissenschaft) und geisteswissenschaftlich-literarische Betrachtungsweise an Boden gewonnen.
 
 Zur Geschichte der Wissenschaften
 
In der Antike gab es jene Trennung der Wissenschaften noch nicht. Zwar galten wohl schon immer und in allen Hochkulturen die Mathematik und ihre Anwendungen in Messkunst und Astronomie als Wissenschaft schlechthin. Aristoteles hielt aber (anders als die moderne Biologie) Geometrie und Arithmetik f√ľr ungeeignet, sich mit Lebewesen wissenschaftlich zu besch√§ftigen. F√ľr den Menschen, das ¬Ľsprechende und politische Wesen¬ę, seien sie allenfalls peripherisch Wissenschaftliches Wissen wurde bis zum Ausgang des Mittelalters als Wissen vom wesentlichen Sein eines Ph√§nomens, eines Gegenstandes oder Prozesses, verstanden. Erkenntnisleitende Interessen der Wissenschaft bezogen sich auf das ¬ĽWas?¬ę und das ¬ĽWozu?¬ę des Ph√§nomens, also auf seine ontologische und zweckgerichtete (teleologische) Dimension. Der neuzeitliche Wissenschaftsbegriff zielt im Gegensatz hierzu auf die Fragen des ¬ĽWie?¬ę und ¬ĽWodurch?¬ę, also auf die funktionale und kausale Erkl√§rung der Ph√§nomene. Die Erkenntnis, die durch Wissenschaft im ersten Sinn erreicht werden konnte, war die eines Sichvergegenw√§rtigens und Erschlie√üens von sinnvollen Gebilden und Prozessen im Rahmen einer Weltordnung, eine quasireligi√∂se Schau (griechisch theoria) des g√∂ttlichen Wirkens. Die Erkenntnis der neuzeitlichen Wissenschaft, wie sie sich seit G. Galilei und I. Newton entwickelt hat, zielt auf ein Eingreifenk√∂nnen und Beherrschen nat√ľrlicher Prozesse und Dinge. Paradigmatisch wurde dies zu Beginn der Neuzeit formuliert von F. Bacon als ¬ĽWissen ist Macht¬ę, von R. Descartes als ¬ĽWissen, um uns zu Herren und Meistern der Natur zu machen¬ę oder von T. Hobbes: ¬ĽEin Ding kennen bedeutet: zu wissen, was man damit anfangen kann, wenn man es hat¬ę. In der 2. H√§lfte des 17. Jahrhunderts nahmen mathematische, auch physikalisch-chemische Beschreibungen von Lebensvorg√§ngen zu, mit einem H√∂hepunkt in dem den Menschen nach den Prinzipien der Mechanik beschreibenden Buch ¬ĽL'homme machine¬ę von J. O. de La Mettrie (1748).
 
In der Wissenschaftsgeschichte ist es √ľblich geworden, den letzten Jahrhunderten jeweils eine Leitwissenschaft zuzuordnen: so dem 17. Jahrhundert die Mathematik (Descartes, G. W. Leibniz, Newton), dem 18. Jahrhundert die Physik (Newton, C. Huygens), dem 19. Jahrhundert die Chemie (J. Dalton, J. Liebig), dem 20. Jahrhundert die Biologie (J. D. Watson/F. Crick, M. Eigen, J. C. Eccles).
 
Wissenschaft wurde bis in die fr√ľhe Neuzeit als methodisch gleichartiges Herantreten an verschiedene Gegenst√§nde interpretiert. Den Geisteswissenschaften entsprach (war aber nicht deckungsgleich) das klassische Trivium (¬ĽDreiweg¬ę) von Grammatik, Dialektik, Rhetorik, den Naturwissenschaften das Quadrivium (¬ĽVierweg¬ę) von Arithmetik, Geometrie, Astronomie und Musik im Rahmen der Artes liberales. Dazu traten in der Bildungsordnung des Mittelalters Theologie, Medizin und Recht. Die Trennung von Geistes- und Naturwissenschaft entstammt dem 19. Jahrhundert und vertieft zugleich die essenzielle Trennung von Geist (Res cogitans) und nunmehr als Materie aufgefasster Natur (Res extensa) seit Descartes. Eine andere mit dem Aufstieg der Naturwissenschaft und ihrer technischen Anwendung entworfene Einteilung nahm A. Comte mit seiner Theorie der Entwicklungsstadien aller Wissenschaften vor, die mit theologischen Erkl√§rungen der Ph√§nomene anheben, eine metaphysische Phase durchlaufen und im dritten, fortschrittlichsten Stadium der positiven (positivistischen) Erkl√§rung zug√§nglich sind (Dreistadiengesetz). In einer Rede von E. Du Bois-Reymond wurde den verstehenden Wissenschaften abgesprochen, je in das Stadium des Positivismus wechseln zu k√∂nnen - eine Zielvorstellung, die seit Descartes die Wissenschaftsentwicklung bestimmt. Eine bis heute verfochtene These setzt demgegen√ľber Geistes- und Naturwissenschaft in ein Verh√§ltnis der Komplementarit√§t, analog der heisenbergschen Unsch√§rferelation. Das hei√üt aber, je genauer psychologische, soziologische, historische, poetische (literaturwissenschaftliche) Forschungen mit einem naturwissenschaftlichen Methodenideal verbunden werden, desto unerkl√§rbarer wird die Dimension der Anthropologie (z. B. im Behaviorismus das Ph√§nomen des Bewusstseins).
 
Der Erfolg in den Naturwissenschaften im 19. Jahrhundert forderte die Geisteswissenschaften heraus, mithilfe dieser Methode auch auf dem eigenen Feld dem anderen Erkl√§rungsideal nahe zu kommen. Der Historismus stellte den ersten Versuch dar, dem die √úbertragung darwinistisch-evolutionstheoretischer Hypothesen auf Ethik, Politik, Recht folgte. Das gemeinsame Erkl√§rungsideal dieser Methode (heute als Hempel-Oppenheim-Schema bezeichnet) besteht darin, zum erkl√§rungsbed√ľrftigen Ph√§nomen die Antezedenzbedingungen anzugeben sowie ein Naturgesetz, das diese Voraussetzung mit dem zu Erkl√§renden (Explanandum) verbindet. In dieser scheinbar neuen Methode wird allerdings in Wirklichkeit eine alte Einsicht erneuert, die mit dem Begriff der ¬ĽUrsache¬ę untrennbar verkn√ľpft ist: dass der Satz ¬ĽA ist die Ursache von B¬ę handlungstheoretisch bedeutet ¬ĽWenn du B willst, musst du A machen¬ę.
 
Diese theoretische Erinnerung ist f√ľr das Verh√§ltnis von Natur- und Geisteswissenschaften deswegen so wesentlich, weil die √úbertragung der Verhaltensforschung bei Tieren auf den Menschen jede Ethik zu ersetzen sucht durch eine soziobiologisch orientierte Humanethologie, die sich zwar ethisch neutral gibt, in Wirklichkeit aber, z. B. im Bereich der Bioethik und der √Ėkologie, bestimmte Geltungsanspr√ľche voraussetzt. Da naturwissenschaftliche Kausalforschung immer in den Horizont menschlicher Wert- und Zielorientierungen eingebettet ist, erscheint sie vielmehr als hoch spezialisierte und zumeist auch rechtfertigungsf√§hige oder gerechtfertigte T√§tigkeit. Dies wird von naturwissenschaftskritischen Angriffen h√§ufig nicht bedacht: Nicht eine neue, ¬Ľganz andere¬ę Naturwissenschaft scheint daher das erstrebenswerte Ziel sich fortentwickelnder Wissenschaft zu sein, sondern ein ge√§ndertes Verh√§ltnis der (Natur-)Wissenschaftler zu ihrer T√§tigkeit.
 
Die Rolle der Wissenschaft hat in ihrer Geschichte keinen geringeren Wandel durchgemacht als ihre Gegenst√§nde, ihre Methoden und Interessen. Galt f√ľr die Antike die Theoria als erstrebenswertes Ziel eines gelungenen Lebens, so stellten die wissenschaftlichen Protagonisten seit der fr√ľhen Neuzeit das Leben, die Erkenntnisse und deren praktische Umsetzung in das Interesse der Beherrschung der Natur (u. a. in Medizin, Waffentechnik, Energieerzeugung), um die menschlichen Lebensbedingungen zu verbessern. Die Vertreter der Wissenschaft waren meist wohlhabende, oft adlige Privatgelehrte oder anderweitig berufst√§tig. Erst im 19. Jahrhundert mit der zunehmenden Anwendung wissenschaftlicher Ergebnisse in der Technik und einer ¬Ľtypisch deutschen Ehe zwischen Hochintelligenz und Hochfinanz¬ę (Otto Kr√§tz) sowie der Vermehrung und dem Ausbau der Universit√§t und mit bahnbrechenden Leistungen v. a. in der Medizin vermehrten sich Professuren, Mittel und Studenten. Damit einher ging die Volksbildung, die ankn√ľpfend an die Aufkl√§rung einen fast grenzenlosen Wissenschafts- und Fortschrittsoptimismus verhie√ü. Der moderne Wissenschaftsbetrieb ist demgegen√ľber bestimmt von einer hohen Spezialisierung, Partikularisierung in zahlreichen (etwa 4 000) Einzel- und Unterdisziplinen und von der Eingliederung wissenschaftlicher T√§tigkeit in Institutionen (Universit√§ten, industrielle, staatliche oder staatlich gef√∂rderte Forschungsinstitute), in denen in Wissenschaftlerteams manchmal √ľber eine Reihe von Jahren hinweg an forschungs- und kostenintensiven Projekten gearbeitet wird. Die Wissenschaftspflege ist zunehmend als verpflichtende Aufgabe der Gesellschaft erkannt worden. In Deutschland geh√∂rt der wissenschaftliche Bereich grunds√§tzlich in die Zust√§ndigkeit der L√§nder, der Bund hat nach Artikel 74 Ziffer 13 GG f√ľr die F√∂rderung der wissenschaftlichen Forschung eine konkurrierende Gesetzgebungskompetenz neben den L√§ndern. Er macht davon Gebrauch, dass Mittel zu Forschungszwecken in den Bundeshaushalt eingesetzt werden. Die Freiheit der Wissenschaft ist verfassungsrechtlich garantiert (Wissenschaftsfreiheit). Neben dem Bund und den L√§ndern gewinnt auch die Wirtschaft in zunehmendem Ma√ü als Finanzier sowie als Tr√§ger und Ort wissenschaftlicher Forschung Bedeutung.
 
 Wissenschaft und Fortschritt
 
Seit den 1970er-Jahren ist der Glaube an den wissenschaftlichen Fortschritt, zun√§chst v. a. in den Industriel√§ndern, in eine Krise geraten. Die Ambivalenz wissenschaftlicher Entdeckungen wird an den √∂kologischen Sch√§den und Beeintr√§chtigungen, die wiederum mit wissenschaftlich-technischen Mitteln bew√§ltigt werden m√ľssen, zunehmend bewusstseinsf√§hig, auch in vielen L√§ndern, die durch forcierte Anstrengungen - oft um fast jeden √∂kologischen Preis - einen hohen wissenschaftlich-technischen Standard erreicht haben (z. B. Transformationsstaaten, Schwellenl√§nder) oder zu erreichen streben. Wissenschaftliche Entdeckungen k√∂nnen zum Wohl der Menschen und auch zu deren Schaden gereichen. Dem traditionellen Anspruch und Selbstverst√§ndnis, dass Wissenschaft (als ¬Ľreine Wissenschaft¬ę) objektiv und wertfrei zu betreiben und von der Anwendung ihrer Ergebnisse unabh√§ngig ist, wird entgegengehalten, dass auch wissenschaftliches Handeln in den Rahmen menschlicher Lebenswelt und wissenschaftlicher Interessen eingebunden ist. Wenn z. B. das Milit√§r oder Wirtschaftsunternehmen Auftraggeber bestimmter Forschungen sind, tritt die Interessenbestimmtheit wissenschaftlicher Fragestellungen besonders deutlich zutage. Auch angesichts der zum Teil langfristigen Folgewirkungen und des zum Teil nicht absehbaren Wirkungsspektrums der Anwendungen wissenschaftlicher Erkenntnisse (z. B. der Gentechnologie) wie auch einer partiellen Verselbstst√§ndigung wissenschaftlich-technischer Leistungen (z. B. in der Medizin) gegen√ľber ihrem urspr√ľnglichen Ziel, menschliches Leben zu erleichtern, wird der Mensch auf sich selbst verwiesen, auf seine Aufgabe, Verantwortung zu √ľbernehmen und sich mit den Werten und Zielen seines Handelns auseinander zu setzen.
 
Die hohen Anspr√ľche des Wissenschaftlers an sich und an die Gesellschaft (Wissenschaftsakzeptanz und Wissenschaftsf√∂rderung) sowie deren Anspr√ľche an ihn (Sachverst√§ndigenautorit√§t und -kompetenz) haben den Wissenschaften √ľber das blo√üe Fortschrittsargument hinaus Rechtfertigungsstrategien abgen√∂tigt. V. a. in der Medizin sind selbst in reichen L√§ndern nicht mehr die Mittel f√ľr die Anwendung aller Erfolg versprechenden Techniken vorhanden, gleichwohl ist die Reputation eines Forschers weiterhin noch h√§ufig abh√§ngig von quantitativen Indikatoren (Publikationen, erfolgreiche Versuchsreihen, die zu Stellen und Sondermitteln f√ľhren, u. a.).
 
In dieser Krise, die zugleich das Verh√§ltnis der Wissenschaft zu Technik, Politik, Wirtschaft, zu den Medien betrifft, er√∂ffnen sich f√ľr die k√ľnftige Wissenschaftsentwicklung prinzipiell zwei m√∂gliche Perspektiven. Die erste setzt auf mehr, aber vielleicht alternative Wissenschaft sowie technische Anwendung (u. a. H. L√ľbbe). Die zweite wird als ein ¬ĽGesundschrumpfen¬ę sowohl der Wissenschaftseinrichtungen als auch des Personals und der erforderlichen Mittel beschrieben (E. Chargaff). Andere Denkans√§tze sind st√§rker an einer m√∂glichen Durchsetzung von Ver√§nderungen unter gegenw√§rtigen Bedingungen orientiert. Als wichtige Momente erscheinen hierbei: 1) Jeglicher grunds√§tzliche Entscheidung muss eine m√∂glichst vorurteilslose Diagnose des gegenw√§rtigen Zustandes (z. B. eines Landstrichs, der Ozonschicht, der Verbreitung eines Krankheitserregers) vorausgehen (Verzicht auf wirtschaftliche oder politische Interessen, auf Ideologie, um der Wahrheit willen). - 2) Die sich aus der Dynamik der Diagnose ergebenden Prognosen sind zu diskutieren, darunter Technikfolgenabsch√§tzung, die Risikobewertung der m√∂glichen Hauptfolgen, aber auch der Nebenfolgen f√ľr Mensch und Natur, und zwar unter Ber√ľcksichtigung der mutma√ülichen Bev√∂lkerungsentwicklung. - 3) Die Alternativenforschung sollte nachdr√ľcklich gef√∂rdert werden. - 4) Alternativen d√ľrfen sich nicht nur auf Einzelprobleme konzentrieren, sondern betreffen √∂kologische Gesamtzusammenh√§nge und die Lebensoptionen von Bev√∂lkerungseinheiten, ausgehend von der Familie bis hin zu k√ľnftigen Generationen. Demnach k√∂nnen die jetzt lebenden Menschen z. B. nicht das Recht haben, kommenden Generationen zuzumuten, sich wissenschaftlich-technischen Niveauerfordernissen zu unterwerfen, die f√ľr die Handhabung zwischengelagerter radioaktiver Abf√§lle notwendig sind.
 
Zwischen den Polen des Rufs nach zivilisatorischem Konsum (Fortschrittsgedanke der Aufkl√§rung) und des Rufs ¬ĽZur√ľck zur Natur¬ę wird es wohl keinen unanfechtbaren L√∂sungsweg geben. Allerdings weisen die genannten Gesichtspunkte auf die Notwendigkeit eines fach√ľbergreifenden Gespr√§chs, das sich sowohl auf nahe liegende Einzelfragen wie auch auf globale Entwicklungen erstreckt. Interdisziplinarit√§t hebt die Unterschiede der Einzeldisziplinen nicht auf, sondern weist ihnen ihren Ort im Gesamtkonzept des Wirklichen an, wobei die Philosophie mit ihren grundlegenden Fragestellungen (v. a. Ethik, Wissenschaftstheorie) eine vermittelnde Funktion haben k√∂nnte.
 
Weitere Informationen zu diesem Thema finden Sie v. a. auch in den folgenden Artikeln:
 
Forschung · Fortschritt · Geisteswissenschaften · Hochschulen · Methode · Natur · Naturgesetz · Naturphilosophie · Technikfolgenabschätzung · Theorie · Universität · Verantwortung · wissenschaftliche Revolution
 
 
Der W.-Begriff. Histor. u. systemat. Unterss., hg. v. A. Diemer (1970);
 
Fortschritt ohne Maß?, hg. v. R. Löw u. a. (1981);
 G. Funke u. E. Scheibe: W. u. W.-Begriff (1983);
¬†M. Riedel: F√ľr eine zweite Philosophie (1988);
 A. N. Whitehead: W. u. moderne Welt (a. d. Engl., Neuausg. 1988);
 W. Dilthey: Ges. Schrr., Bd. 1: Einl. in die Geistes-W.en (91990);
 H.-G. Gadamer: Ges. Werke, Bd. 1: Hermeneutik. Wahrheit u. Methode (61990);
 C. F. von Weizsäcker: Die Tragweite der W. (61990);
 B. Gräfrath: Einheit, Interdisziplinarität, Komplementarität. Orientierungsprobleme der W. heute (1991);
 H. Markl: Natur als Kulturaufgabe. Über die Beziehung des Menschen zur lebendigen Natur (Neuausg. 1991);
 R. Spaemann u. R. Löw: Die Frage Wozu? Gesch. u. Wiederentdeckung des teleolog. Denkens (Neuausg. 1991);
 
Chemie u. Geistes-W., hg. v. J. Mittelstrass u. G. Stock (1992);
 M. Heidegger: Der Satz vom Grund (71992);
¬†H. L√ľbbe: Der Lebenssinn der Industriegesellschaft (21994);
 K. R. Popper: Logik der Forschung (a. d. Engl., 101994);
 E. Husserl: Die Krisis der europ. W.en u. die transzendentale Phänomenologie, hg. v. E. Ströker (31996);
 P. K. Feyerabend: Wider den Methodenzwang (a. d. Engl., Neuausg. 61997);
 T. S. Kuhn: Die Struktur wiss. Revolutionen (a. d. Amerikan., 141997);
 
W., Macht, Politik, hg. v. G. Cleve u. a. (1997);
 M. Wingens: Wissensgesellschaft u. Industrialisierung der W. (1998);
 A. F. Chalmers: Grenzen der W. (a. d. Engl., 1999);
 A. F. Chalmers: Wege der W. Einf. in die W.-Theorie (a. d. Engl., 52001);
 J. D. Barrow: Die Entdeckung des Unmöglichen. Forschung an den Grenzen des Wissens (a. d. Engl., 22001);
 
Transdisciplinarity. Joint problem solving among science, technology, and society, hg. v. J. Thompson Klein u. a. (Basel 2001).
 
Hier finden Sie in √úberblicksartikeln weiterf√ľhrende Informationen:
 
Universität im Mittelalter: Von der Klosterschule zur Alma Mater
 
Philosophie im Dienst der Wissenschaften
 

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WiŐ£s|sen|schaft, die; -, -en [(fr√ľh)nhd. f√ľr lat. scientia; mhd. wi í íen[t]schaft = (Vor)wissen; Genehmigung]: 1. (ein begr√ľndetes, geordnetes, f√ľr gesichert erachtetes) Wissen hervorbringende forschende T√§tigkeit in einem bestimmten Bereich: reine, angewandte W.; die √§rztliche, mathematische, politische W.; die W. der Medizin, von den Fischen; exakte -en (Wissenschaften, deren Ergebnisse auf mathematischen Beweisen, genauen Messungen beruhen, z. B. Mathematik, Physik); ein Hearing ..., zu dem die Energiewirtschaft und die W. (Wissenschaftler[innen]) eingeladen wurden (Hamburger Abendblatt 20. 3. 84, 15); die W. f√∂rdern; der W. dienen; die Akademie der -en; alles atmet den Geist hoher W. (Wissenschaftlichkeit); sie ist in der W. (im Bereich der Wissenschaft) t√§tig; Vertreter von Kunst und W.; √ú Die Entzifferung der Tafeln ist eine kleine W. f√ľr sich (ist so kompliziert, dass man dazu √ľber besondere Kenntnisse verf√ľgen muss; ADAC-Motorwelt 3, 1986, 119). 2. jmds. Wissen in einer bestimmten Angelegenheit o. √Ą.: es dauerte, bis er mit seiner W. herauskam. ‚ąô 3. ‚ÜĎKenntnis (1): da er sein Anerbieten ... zur W. des Volkes bringen w√ľrde (Kleist, Kohlhaas 52).

Universal-Lexikon. 2012.

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  • Wissenschaft ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: ‚ÄĘ Naturwissenschaft(en) ‚ÄĘ ...wissenschaft(en) ‚ÄĘ Naturwissenschaft ‚ÄĘ Naturwissenschaften Bsp.: ‚ÄĘ Sie interessiert ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

  • ...wissenschaft(en) ‚ÄĒ [Aufbauwortschatz (Rating 1500 3200)] Auch: ‚ÄĘ Wissenschaft ‚ÄĘ Naturwissenschaft(en) Bsp.: ‚ÄĘ Sie interessiert sich f√ľr Physik und andere Naturwissenschaften. ‚ÄĘ Er will Sozialwissenschaften studieren ‚Ķ   Deutsch W√∂rterbuch

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  • Wissenschaft ‚ÄĒ 1. All Ding h√§tt sin W√™tenschap, s√§d jene l√ľtje D√™ren, un har dat Licht mit dem Steert utpustet. (Holst.) ‚Äď Hagen, 100, 44; Simrock, 11715. Holl.: Het is maar eene weet, zei de boer, en hij blies de kaars met zijn gat uit. (Harrebom√©e, II, 446a.) ‚Ķ   Deutsches Sprichw√∂rter-Lexikon


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